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Einschätzung von Herrn Dr. JM (Interim CFO) vor Ort.

Vor dem chinesischen Neujahr 2022 ist die Pandemie weltweit noch nicht beendet, in China genauso wenig wie in den USA, in Europa oder sonstwo auf der Welt.

Der Erfolg der unterschiedlichen Vorgehensweisen wird sich erst im Nachhinein zeigen und auch dann unterschiedlich bewertet werden, weil Krankheits- und Sterbefälle1 nicht einfach gegen Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsgrad aufgerechnet werden können.
Klar ist, dass jeder Covid bedingte Lockdown in China egal in welchem Ausmaß die Wirtschaft leiden lässt.
Ob in der 4 Millionen Stadt Yangzhou, wo ich selbst im August über 5 Wochen hinweg festgesessen habe oder in dem 600 Personen Hochhaus eine Straße weiter hier in Shanghai, wo eine gute Freundin von mir als Bewohnerin zu Hause zunächst festgehalten wurde und jetzt für 12 Tage keine öffentlichen Transportmittel nutzen und kein Restaurant betreten darf:
Wirtschaft und Menschen sind auch bei der Null-Covid Strategie der chinesischen Regierung immer betroffen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, was ein 5wöchiger Lockdown mit Menschen machen kann.
In China aber zählt allein das Wirtschaftswachstum. Das chinesische Bruttosozialprodukt von 4% im IV. Quartal (gegenüber 8,1% in Ganzjahresverlauf 2021)2 zeigt andererseits eindeutig die wirtschaftlichen Folgen. Auch die Senkung des Leitzinses durch die chinesische Notenbank spricht diese Sprache.3
Während der olympischen Winterspiele und danach steht die Eindämmung von Covid im Vordergrund und die chinesischen Vorgehensweise zur Covid-Bekämpfung wird sich erst ändern, wenn China einen wirksamen mRNA Impfstoff zum Einsatz bringt, wahrscheinlich nicht vor 2023.4

Im Frühjahr 2022 wird zunächst die Energieknappheit wieder zutage treten, die im Herbst 2021 bereits Schlagzeilen gemacht hat. Jetzt im Winter, wenn bei Stromabschaltungen die Bevölkerung in kalten, zugigen Unterkünften bibbern müsste und zurecht aufschreien würde, wenn kein Smartphone mehr geladen werden könnte und statt allein des Kühlschranks die ganze Wohnung bei 5 bis 10 Grad, die wir derzeit haben, kalt bliebe, würde die Regierung Protest der Bevölkerung auf der ganzen Linie riskieren.

Im Frühjahr aber werden Strom-Abschaltungen „nur noch“ die Unternehmen und Geschäfte treffen. Denn irgendwie muss auch China seine Umweltziele erreichen. Und da reagiert China nur auf Druck von außen, wie es sich schon bei der Luftverschmutzung gezeigt hat, die erst zum Thema wurde, als die amerikanische Botschaft in Beijing durch eigene Messungen nachwies, dass das was den Chinesen als Nebel verkauft worden ist tatsächlich Feinstaub war.5 China hat es derzeit nicht leicht und macht es sich noch weniger.6

Das Problem der international stockenden Lieferketten wird durch die wiederholten chinesischen Lockdowns und Barrieren in den Häfen nicht gerade vereinfacht. Wir werden es im Sommer hautnah erleben.7
Die Wirtschaft hier in China hat den Staat als Beifahrer neben sich sitzen, wie es im Leitartikel des Economist vom Anfang des Monats so schön heißt.8 Selbst im noch so kleinen Unternehmen gibt es eine Person mit – sagen wir – besonderem Draht zu den Behörden, tatsächlich aber zur Partei, denn die allein zählt hier in China. Jede Behörde ist de facto der Partei unterstellt, auch wenn das nirgendwo geschrieben steht.

In Deutschland wird jede unternehmerische Entscheidung vor dem Hintergrund von Gesetzen und Regelungen zusammen mit den Firmen-eigenen bekannten Interessenvertretern getroffen. Hier in China wird jede Maßnahme zuvor(!!!) durch die Parteibrille begutachtet und wenn möglich gelenkt. Was in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft ist, die sich hin zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft entwickelt, ist hier eine Partei getriebene Lenkungswirtschaft, die sehr an das Schicksal von Kafkas Maus9 erinnert, deren Welt enger wird mit jedem Tag.
Was heißt das für Ihr Tagesgeschäft?
Ihr Unternehmen in China ist für China da. Mit ihrer chinesischen Gesellschaft können Sie in China Geschäft machen, aber die Gesellschaft global in eine Strategie der Gruppe einzugliedern fällt immer schwerer. China isoliert sich zunehmend, will, wird und muss dabei aber auch weiter so kräftig wie möglich exportieren.
In global-bilaterale Logistikketten wird sich China nicht mehr so einbinden lassen wie vor der Pandemie. Lokale Zulieferer werden wichtiger denn je. China will exportieren, weniger importieren und stattdessen selber fertigen.

Das war schon immer wünschenswert, aber wegen Abschlägen bei der Qualität nicht immer möglich. Diese Entwicklung – hin zu lokalen Bezugsquellen – gilt es unternehmensintern eng zu begleiten. Finden sich landesintern alle Lieferanten und können sie hinreichend diversifiziert werden?
Bleibt die Qualität der gelieferten Ware und vor allem der eigenen Produktion erhalten?
Dies sind zentrale Fragen.
Und auch in China erhöhen sich zugleich die im Weltmaßstab noch immer günstigeren Einkaufspreise.10 Wie geht das weiter? Die Veränderungen schreiten in rasantem Tempo fort.

Haben Sie das hier in Ihrer Gesellschaft hautnah im Blick?
Wie entwickeln sich die Herstellkosten?
Ist die Versorgungssicherheit bei der Umstellung der Lieferanten weiterhin gegeben?
Nur ein Controlling vor Ort hilft da wirklich weiter.
Bleiben Sie nahe dran an Ihrem Unternehmen hier in China, so gut wie es möglich ist angesichts der wiederum zahlreichen gestrichenen Flugverbindungen. Wenn es sich bewahrheitet, dass sich das GDP in China von 8,1% für 202111 in 2022 halbieren wird, dann läuft hier fast gar nichts von alleine wirklich rund.

Ich bin hier vor Ort – gerne auch für Sie.
Einen guten Gruß aus Shanghai! Und alles Gute für das Jahr des Tigers.
2022 ist die Pandemie weltweit noch nicht beendet, in China genauso wenig wie in den USA, in Europa oder sonstwo auf der Welt.

Der Erfolg der unterschiedlichen Vorgehensweisen wird sich erst im Nachhinein zeigen und auch dann unterschiedlich bewertet werden, weil Krankheits- und Sterbefälle1 nicht einfach gegen Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsgrad aufgerechnet werden können.

Klar ist, dass jeder Covid bedingte Lockdown in China egal in welchem Ausmaß die Wirtschaft leiden lässt.
Ob in der 4 Millionen Stadt Yangzhou, wo ich selbst im August über 5 Wochen hinweg festgesessen habe oder in dem 600 Personen Hochhaus eine Straße weiter hier in Shanghai, wo eine gute Freundin von mir als Bewohnerin zu Hause zunächst festgehalten wurde und jetzt für 12 Tage keine öffentlichen Transportmittel nutzen und kein Restaurant betreten darf:
Wirtschaft und Menschen sind auch bei der Null-Covid Strategie der chinesischen Regierung immer betroffen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, was ein 5wöchiger Lockdown mit Menschen machen kann.
In China aber zählt allein das Wirtschaftswachstum. Das chinesische Bruttosozialprodukt von 4% im IV. Quartal (gegenüber 8,1% in Ganzjahresverlauf 2021)2 zeigt andererseits eindeutig die wirtschaftlichen Folgen. Auch die Senkung des Leitzinses durch die chinesische Notenbank spricht diese Sprache.3

Während der olympischen Winterspiele und danach steht die Eindämmung von Covid im Vordergrund und die chinesischen Vorgehensweise zur Covid-Bekämpfung wird sich erst ändern, wenn China einen wirksamen mRNA Impfstoff zum Einsatz bringt, wahrscheinlich nicht vor 2023.4

Im Frühjahr 2022 wird zunächst die Energieknappheit wieder zutage treten, die im Herbst 2021 bereits Schlagzeilen gemacht hat. Jetzt im Winter, wenn bei Stromabschaltungen die Bevölkerung in kalten, zugigen Unterkünften bibbern müsste und zurecht aufschreien würde, wenn kein Smartphone mehr geladen werden könnte und statt allein des Kühlschranks die ganze Wohnung bei 5 bis 10 Grad, die wir derzeit haben, kalt bliebe, würde die Regierung Protest der Bevölkerung auf der ganzen Linie riskieren.

Im Frühjahr aber werden Strom-Abschaltungen „nur noch“ die Unternehmen und Geschäfte treffen. Denn irgendwie muss auch China seine Umweltziele erreichen. Und da reagiert China nur auf Druck von außen, wie es sich schon bei der Luftverschmutzung gezeigt hat, die erst zum Thema wurde, als die amerikanische Botschaft in Beijing durch eigene Messungen nachwies, dass das was den Chinesen als Nebel verkauft worden ist tatsächlich Feinstaub war.5 China hat es derzeit nicht leicht und macht es sich noch weniger.6

Das Problem der international stockenden Lieferketten wird durch die wiederholten chinesischen Lockdowns und Barrieren in den Häfen nicht gerade vereinfacht. Wir werden es im Sommer hautnah erleben.7

Die Wirtschaft hier in China hat den Staat als Beifahrer neben sich sitzen, wie es im Leitartikel des Economist vom Anfang des Monats so schön heißt.8 Selbst im noch so kleinen Unternehmen gibt es eine Person mit – sagen wir – besonderem Draht zu den Behörden, tatsächlich aber zur Partei, denn die allein zählt hier in China. Jede Behörde ist de facto der Partei unterstellt, auch wenn das nirgendwo geschrieben steht.

In Deutschland wird jede unternehmerische Entscheidung vor dem Hintergrund von Gesetzen und Regelungen zusammen mit den Firmen-eigenen bekannten Interessenvertretern getroffen. Hier in China wird jede Maßnahme zuvor(!!!) durch die Parteibrille begutachtet und wenn möglich gelenkt. Was in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft ist, die sich hin zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft entwickelt, ist hier eine Partei getriebene Lenkungswirtschaft, die sehr an das Schicksal von Kafkas Maus9 erinnert, deren Welt enger wird mit jedem Tag.

Was heißt das für Ihr Tagesgeschäft?
Ihr Unternehmen in China ist für China da. Mit ihrer chinesischen Gesellschaft können Sie in China Geschäft machen, aber die Gesellschaft global in eine Strategie der Gruppe einzugliedern fällt immer schwerer. China isoliert sich zunehmend, will, wird und muss dabei aber auch weiter so kräftig wie möglich exportieren.
In global-bilaterale Logistikketten wird sich China nicht mehr so einbinden lassen wie vor der Pandemie. Lokale Zulieferer werden wichtiger denn je. China will exportieren, weniger importieren und stattdessen selber fertigen.

Das war schon immer wünschenswert, aber wegen Abschlägen bei der Qualität nicht immer möglich. Diese Entwicklung – hin zu lokalen Bezugsquellen – gilt es unternehmensintern eng zu begleiten. Finden sich landesintern alle Lieferanten und können sie hinreichend diversifiziert werden?
Bleibt die Qualität der gelieferten Ware und vor allem der eigenen Produktion erhalten?
Dies sind zentrale Fragen.

Und auch in China erhöhen sich zugleich die im Weltmaßstab noch immer günstigeren Einkaufspreise.10 Wie geht das weiter? Die Veränderungen schreiten in rasantem Tempo fort.

Haben Sie das hier in Ihrer Gesellschaft hautnah im Blick?

Wie entwickeln sich die Herstellkosten?
Ist die Versorgungssicherheit bei der Umstellung der Lieferanten weiterhin gegeben?
Nur ein Controlling vor Ort hilft da wirklich weiter.

Bleiben Sie nahe dran an Ihrem Unternehmen hier in China, so gut wie es möglich ist angesichts der wiederum zahlreichen gestrichenen Flugverbindungen. Wenn es sich bewahrheitet, dass sich das GDP in China von 8,1% für 202111 in 2022 halbieren wird, dann läuft hier fast gar nichts von alleine wirklich rund.

Ich bin hier vor Ort – gerne auch für Sie.

Einen guten Gruß aus Shanghai! Und alles Gute für das Jahr des Tigers.

1 Genauer physische Krankheits- und Sterbefälle durch den Virus sowie psychische Krankheitsfälle durch Lockdowns u.a. soziale Einschränkungen.

2 „China’s 2021 GDP Grows 8.1%”, Global Times January 17th 2022.
https://www.caixinglobal.com/2022-01-17/chinas-2021-gdp-grows-81-101830947.html

3 „As China’s economy slows, policymakers seek to revive growth”, Economist January 22nd 2022.

4 „China’s First mRNA Covid Shot Triggers 80%–95% Immune Response”, Caixin 26.01.2022.

5 “Auf dem Weg zur Öko-Supermacht“, FAZ 20.10.2020

6 “Hoffen auf den Tiger – Die Grenzen der Planwirtschaft”, FAZ 18.01.2022

7 “Omikron zerlegt die Lieferketten”, FAZ 10.01.2022

8 „Welcome to the era of the bossy state”, Economist, January 15th 2022; https://www.economist.com/leaders/2022/01/15/welcome-to-the-era-of-the-bossy-state

9 Franz Kafka „Kleine Fabel“.

10 „China Factory Inflation Comes Down From 26-Year High”, Caixin, December 9th 2021.

11 “China Manufacturing Ends Year With Rebound, Caixin PMI Shows”, Caixin, January 4th 2022.

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